Bienengift gegen Nebenwirkungen der Chemotherapie

Bienengift, Apitherapie, Mausmodell, Oxaliplatin, Chemotherapie Bild Bigstock, Stramyk - Im Labor profitierten schmerzgeplagte Mäuse von Bienengift

Eine Chemotherapie wirkt nicht nur gegen Krebszellen, sondern auch gesundes Gewebe wird in Mitleidenschaft gezogen. Mit anderen Worten: sie verursachen leider auch unerwünschte Wirkungen.

Das Chemotherapeutikum Oxaliplatin zum Beispiel hemmt die Zellteilung und soll das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen verhindern. Es ist in Deutschland seit September 2000 zur Therapie fortgeschrittener Darmkrebserkrankungen zugelassen. Häufig löst Oxaliplatin allerdings Polyneuropathien aus: Missempfindungen wie Schmerzen, Brennen, Ameisenlaufen oder ein pelziges Gefühl mit Kribbeln in Händen und Füßen. Auch die Berührungsempfindlichkeit kann stark erhöht sein. Oft beginnen die Beschwerden schon nach der ersten Gabe des Zytostatikums. Bei manchen Patienten verstärken sich die Schmerzen durch Kälte.

Der Fachbegriff für diese unerwünschte Wirkung ist „ Chemotherapie – induzierte Polyneuropathie“, kurz CIPN.

Längeres Überleben mit Chemotherapie, aber mit Schmerzen?

Es ist natürlich unbedingt erfreulich, dass in den letzten Jahren die Chemotherapien immer häufiger zu einem längeren Überleben von Krebspatienten führen. Gleichzeitig steht dadurch allerdings die CIPN-Problematik ebenfalls häufiger im Vordergrund. Die Beschwerden können die Lebensqualität deutlich einschränken und sogar Anlass für einen Abbruch der eigentlich angestrebten Krebstherapie sein. Bisher ist eine ursächliche Behandlung der Oxaliplatin-Polyneuropathie nicht bekannt.

Eine Studie, die mit Hilfe eines Mäusemodells durchgeführt wurde, gibt jetzt allerdings etwas Hoffnung. Zwar stellt sich niemand gerne vor, von einer Biene gestochen zu werden, Wohlbefinden kommt bei dieser Vorstellung sicher bei niemandem auf. Aber Studienergebnisse sprechen dafür, dass ausgerechnet Bienengift dabei helfen könnte, die Beschwerden der Krebspatienten zu lindern.

Bienengift gegen neuropathische Schmerzen

Bienengift ist zum Beispiel in Korea ein traditionell und auch heute noch häufig genutztes Mittel zur Behandlung von Schmerzen. Vor kurzem berichtete hier Dr. Maja Roje Novak aus Zagreb über ihre Erfahrungen mit Bienengift bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose.

Als besonders wirksam gilt die Bienengiftakupunktur, bei der Bienengift in Akupunkturpunkte injiziert wird. Eine Variante ist die Apipunktur, bei der die Biene selbst auf Akupunkturpunkte gesetzt und zum Stechen gebracht wird.

In Korea ist die Bienengiftakupunktur nicht ungewöhnlich, bei uns ist sie dagegen fast unbekannt. Aber es gibt auch in Deutschland Ärzte, die bei bestimmten Indikationen bereit sind, Bienengift in Akupunkturpunkte zu infizieren. Der Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. med. Winfried Winter aus Seligenstadt hat beispielsweise darüber berichtet, dass er einzelne Patienten mit schwerem Rheuma mit Bienengift akupunktiert.

Studie: Bienengift plus Morphin

Nicht nur Krebspatienten haben Schmerzen, wenn sie Oxaliplatin bekommen, Mäusen geht es nicht anders. Ihr Schmerz lässt sich messen – deshalb wurden sie in dieser Laborstudie ([1]) als Modell eingesetzt. Es ging natürlich nicht darum, Tiere zu quälen! Sinn der Untersuchung war es, die Wirkung von Bienengift und Morphin alleine und miteinander kombiniert zu vergleichen. Bienengift minderte sowohl die Berührungsempfindlichkeit als auch die durch Kälte ausgelösten Schmerzen. Besonders hohe Dosen hatten allerdings unangenehme Schwellungen zur Folge.

Morphin wirkte besonders gut auf die Berührungsempfindlichkeit, weniger gut jedoch auf die Kälteschmerzen.

Interessanterweise wirkte die Kombination von Bienengift und Morphin besser als eine der beiden Substanzen alleine. Die Versuchstiere hatten am wenigsten Schmerzen, wenn ihnen eine mittlere Dosis Morphin plus Bienengift-Akupunktur verabreicht wurde. Diese kombinierte Therapie wirkte besser als eine höher dosierte Einzeltherapie.

Bisher wird man keine praktischen Erkenntnisse aus der Studie ziehen können. Welcher Krebs-Patient möchte schon gerne auf eigene Faust ausprobieren, ob die Bienengifttherapie bei ihm so gut wirkt wie bei den Mäusen? Es müsste eine Studie aufgebaut und sorgfältig durchgeführt werden, damit wir aussagefähigere Studien erhalten. Trotzdem stimmen diese ersten Erfahrungen optimistisch. Grund genug, darüber zu berichten!

 

[1] Kim W et al.: Combined Effects of Bee Venom Acupuncture and Morphine on Oxaliplatin-Induced Neuropathic Pain in Mice. Toxins 2016, 8, 33; doi:10.3390/toxins8020033.

 

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