Getrocknete Pollen: Gefahr durch Schimmelpilze!

Blütenpollen, Bienen, Schimmel, Pilze, Brasilien Bild Bigstock, Foto: Ale-ks - Blütenpollen - leider nicht selten belastet

Bienen benötigen nicht nur Honig oder Zucker, um als Volk zu überleben. Zum Brüten brauchen sie auch Pollen, weil dieser das notwendige Eiweiß liefert. Pollen „ernten“ die Bienen eher nebenbei: Beim Nektarsammeln bleibt Pollen am Bienenkörper hängen. Die Bienen streifen ihn ab und kleben ihn mit Nektar vermischt an ihren Hinterbeinen fest. Das Resultat sind bunte so genannte Pollenhöschen.

Pollen – einheimisches Superfood!

Blütenpollen sind ausgesprochen nahrhaft, sie sind reich an Eiweiß, Mineralien, freien Aminosäuren, Vitaminen, Lipiden und Kohlehydraten. Da sie alle Vitamine des Vitamin-B-Komplexes enthalten, werden sie gerne als Fleischersatz bezeichnet. Kein Wunder also, dass Blütenpollen nicht nur den Bienen als Nahrung dienen, sondern auch bei Menschen begehrt sind. Sie werden zum Beispiel Krebs-Patienten als Nahrungsergänzung empfohlen, etwa von dem Meraner Arzt Dr. med. Christian Thuile . Leider sind getrocknete Pollen aber auch sehr anfällig für Pilzbefall, der ganz sicher nicht gesundheitsförderlich ist.

In einer Studie ([1]) wurden jetzt frei verkäufliche Blütenpollen-Produkte daraufhin untersucht, ob sie schädliche Inhaltsstoffe enthalten und deshalb überhaupt für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Die Wissenschaftler analysierten insgesamt 27 unterschiedliche Proben. Einige Pollen-Produkte hatten ein Prüfsiegel, andere nicht. Alle wurden im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro verkauft.

Die Untersuchung hatte mehrere Kriterien im Blickfeld: Die Pollenanalyse identifizierte neun verschiedene Pflanzenfamilien, vorherrschend waren Korbblütler (Asteraceae). Neben der Blütenvielfalt der Pollen wurde deren Wassergehalt überprüft, da Feuchtigkeit Voraussetzung für die Existenz von Pilzen ist. Genauer gesagt: Es wurde die Wasseraktivität ermittelt, die auch als aw-Wert oder „Activity of Water“ bezeichnet wird. Sie ist ein Maß für das (etwa im getrockneten Pollen) verfügbare Wasser. Für die Haltbarkeit von Lebensmitteln ist nämlich nicht der reine Wassergehalt von Bedeutung, sondern es kommt darauf an, wie stark das Wasser gebunden ist. Je nach Höhe der Wasseraktivität wird das Wachstum von Mikroorganismen stärker oder schwächer sein. Interessanterweise stuften die Wissenschaftler die Wasseraktivität der untersuchten Pollen als niedrig ein. Trotzdem waren die Ergebnisse alles andere als zufriedenstellend.

Mängel bei 92% der Pollen-Proben!

Bei der Analyse der Pilzbelastung zeigten fast alle (92%) Proben Mängel; diese Pollenprodukte entsprachen nicht den Richtlinien für Lebensmittelsicherheit. Die hygienische Qualität wurde an Hand der enthaltenen Pilze ermittelt. Am häufigsten fanden sich Pilze der Gattungen Aspergillus, Cladosporium und Penicillium. Eine weitere Auswertung ergab, dass 25% der A. flavus-Stämme Pilzgifte produzierte, so genannte Aflatoxine. Auch die mit einem Prüfsiegel gekennzeichneten Pollenprodukte waren in einem hohen Maß verunreinigt. Das ist leider mehr als nur ein bisschen eklig. Pilzgifte sind nämlich krebserregend, schädigen die Nieren und das Immunsystem.

Die Autoren der Studie betonen die Notwendigkeit, das gesamte Verfahren der Blütenpollen-Produktion zu überwachen.

Alternative: Gefriergetrocknete Pollen

Vielleicht ist das Trocknen von Blütenpollen nicht die ideale Form der Verarbeitung. Alina Varadi hielt auf dem Apitherapie-Kongress in Passau 2015 einen Vortrag über die Qualität von Blütenpollen. Sie wies darauf hin, dass es bis vor kurzem üblich war, Pollen zur Konservierung zu trocknen. Allerdings würden durch die Hitze wertvolle Inhaltsstoffe wie Enzyme und Vitamine zerstört. Deshalb schlug sie vor, frischen Pollen im Gefrierschrank zwischen -5 und -15°C aufzubewahren. Er sollte zweimal täglich gesammelt und sofort tiefgefroren werden.

 

[1] Deveza MV et al.: Mycotoxicological and palynological profiles of commercial brands of dried bee pollen. Brazilian Journal of Microbiology 46, 4, 1171-1176 (2015) ISSN 1678-4405. DOI: http://dx.doi.org/10.1590/S1517-838246420140316

 

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