Honigmassagen richtig einsetzen

Honigmassagen zur Entsäuerung
Frau Miedling bietet Kurse zu Honigmassagen an. In der Praxis hat sie mit dieser Apitherapie sehr gute Erfahrungen gemacht

Andrea Miedlig ist Heilpraktikerin in Hamburg ( www.praxis-naturgesund.de ). Sie bietet u.a. Honig-Entgiftungs-Massagen an und führt auch Kurse zur Behandlung oder Selbstbehandlung durch. Ruth Auschra sprach für den Blog Propolis-Honig.de mit der Heilpraktikerin.

Frau Miedlig, für wen sind Ihre Honigmassage-Kurse gedacht? Richten sie sich eher an Laien oder an Therapeuten?
Miedlig: Zu meinen Kursen melden sich genauso Therapeuten an, wie interessierte Laien. Anfangs dachte ich, ich müsste diese beiden Zielgruppen trennen. Im Gegenteil. Die Ganztagskurse werden jedem gerecht. Der eine braucht mehr Zeit, bis er sich mit der besonderen Massage-Technik sicher fühlt. Andere nutzen die Zeit, um mehr über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten erfahren.
Ein Unterschied aber fällt auf: Laien kommen meist zu zweit. Als Freundinnen, die neugierig auf etwas Neues sind. Und Paare, um sich bei körperlichen Problemen gegenseitig helfen zu können. Anfangs sind alle sehr auf die Massage konzentriert und trauen sich nicht vom Platz, um woanders mit zu schauen. Aber das vergeht schnell (lacht)!

Was braucht man, wenn man Honigmassagen in der Praxis anbieten will?
Miedlig: Man braucht eine Massageliege, Honig und Liegenpapier oder ein Duschtuch zum Unterlegen, sowie einen Waschhandschuh, zwei Handtücher und eine Schüssel mit warmem Wasser.
Wer eine Honigmassage bekommen möchte, sollte sich vorher nicht den Rücken eincremen. Wenn das doch einmal passiert ist, duscht man die Reste der Creme am besten zu Hause vor der Honigmassage ab. Oder der Behandler wäscht den Rücken vorher mit einem Waschhandschuh ab. Zur Massage legt man sich bäuchlings auf die Liege, der Masseur deckt bei Bedarf die Beine mit einer Wolldecke ab. Wenn Liegen auf dem Bauch nicht möglich ist, zum Beispiel bei einer Schwangeren, kann auch im Sitzen massiert werden.

Kommen Menschen mit typischen Beschwerden zur Honigmassage?
Bei Patienten mit Gelenkbeschwerden wie Rheuma, Arthrose oder Tennisellenbogen nutze ich neben Akupunktur auch die Honigmassage. Zusätzlich werden dann die betroffenen Gelenke einbezogen. Diese Honigmassage der Gelenke führen die Betroffenen nach entsprechender Übung und Schulung sehr gut selbst zu Hause weiter.

Welcher Honig ist geeignet?
Miedlig: Der Honig muss naturbelassen sein. Am liebsten verwende ich Honig von Imkern meines Vertrauens aus der Umgebung. Manche Sorten sind nicht zum Massieren geeignet. Rapsblütenhonig etwa ist zu fest, Heideblütenhonig enthält zu viel Wasser. Da ich mehrere Sorten zur Auswahl habe, frage ich nach dem Lieblingshonig. Die spontane Antwort ist oft für sich schon aufschlussreich. Oft entscheide ich aber auch aufgrund der Beschwerden, welcher Honig diesmal am besten geeignet ist.

Gibt es einen typischen Ablauf, eine Vorgehensweise?
Miedlig: Von der ausgewählten Sorte verteile ich einen Esslöffel zwischen meinen Handflächen und verteile den Honig auf dem Rücken. Die ersten Griffe, so genannte Pumpgriffe, werden mit der gesamten Handfläche ausgeführt. Man nennt das auch Pumpmassage. Ich beginne mit der Massage immer herzfern, bearbeite zuerst die rechte Seite mit ziehenden Bewegungen zum Schulterblatt hoch und wiederhole den Ablauf auf der linken Seite. Das wiederholt sich immer wieder. Dann kommen Griffe zum Einsatz, die nur mit Fingern bzw. Fingerspitzen arbeiten und sehr gezielt eingesetzt werden. Währenddessen reagiert der Honig mit dem behandelten Bindegewebe und verändert seine Farbe und Konsistenz. Auch die Haut der verschiedenen Körperpartien reagiert.

Wie muss ich mir das vorstellen?
Miedlig: Der Honig wird immer klebriger und zäher, bis er irgendwann die Konsistenz von Kaugummi hat. Je nach individueller Empfindlichkeit muss man früher oder später aufhören, es soll ja nicht weh tun. Wenn man langsamer arbeitet, spürt man weniger davon. Umgekehrt: Wer hektisch mit dem Kaugummi-Honig an der Haut zieht, verursacht eher Schmerzen als eine Heilwirkung. Dabei ist Übung und Fingerspitzengefühl erforderlich. Die Haut wird gut durchblutet und rötet sich, vor allem dort, wo Beschwerden sind. Eine Krankengymnastin hat sich im Kurs mal sehr gewundert, wie schnell das geht. Sie meinte, das würde normalerweise in ihrer Praxis deutlich länger dauern. Dafür sorgt neben der besonderen Pump- und Sog-Wirkung dieser Massage der Honig selbst. Honig enthält Mineralien, die schnell von der Haut aufgenommen werden und dort eine Übersäuerung im Bindegewebe reduzieren.

Wann ist die Massage fertig?
Miedlig: Wenn der Honig sich wie Kaugummi anfühlt oder wenn die Massage unangenehm wird, ist es Zeit, den Honig abzuwischen. Dazu braucht man warmes Wasser und einen Waschlappen, sonst geht der nun zähe Honig nicht ab. Ist der Rücken abgetrocknet, kann der nächste Durchgang starten. Insgesamt sollten es aber nicht mehr als drei Durchgänge sein oder länger als eine Stunde dauern.

Kann es Probleme geben? Zum Beispiel mit Männern, die einen behaarten Rücken haben?
Miedlig: Möglicherweise könnten ein paar lose Haare im Honig hängenbleiben. Aber bisher waren Haare noch nie ein Problem. Was ich nicht machen würde: Honigmassage bei frischen Operationswunden und einigen Hautkrankheiten wie Schuppenflechte oder schwere Neurodermitis. Auch nicht bei Fieber, Sonnenbrand und schweren Infekten. Schwangeren Frauen würde ich nur den oberen Teil des Rückens massieren. Ebenso bei Frauen mit zu starker Regelblutung, die während der Regel massiert werden möchten. Eine wunderbar ausgleichende Wirkung hat in diesem Fall eine Honigmassage zu den Zeiten, wenn keine Blutung ist. Und wer eine starke Pollenallergie hat, der wird auch lieber vorsichtig ausprobieren, ob ihm der Honig gut tut. Ganz wichtig wäre mir noch der Hinweis, dass man anschließend viel trinken sollte.

Wie erklären Sie sich die Wirkung des Honigs?
Miedlig: Der Honig entsäuert und entlastet damit das Bindegewebe. Außerdem ist die Honigmassage am Rücken eine intensive Reflexzonenmassage, die auf den ganzen Körper wirkt und die Selbstheilung fördert. Im wahrsten Sinne ganzheitlich. Eine Patientin hat wirklich mal zu mir gesagt: „Sie ziehen das Grau aus mir heraus“ – das finde ich eine schöne bildliche Beschreibung. Der goldgelbe Honig, der die Schlacken aus dem Bindegewebe zieht…

Wie sind Sie eigentlich zum Honig gekommen?
Miedlig: Ich hatte das Glück, dass mein Opa Imker war und meine Uroma Hebamme. Deshalb bin ich mit der Anwendung von Honig und Kräutern aufgewachsen. Die Honigmassagen hatte ich eine Zeitlang ganz vergessen – irgendwann war die Erinnerung dann plötzlich wieder da.

Liebe Frau Miedlig, vielen Dank für das Gespräch!

3 Kommentare

  1. Hallo, da ich an Rheuma leide und bereits in Bern die verschiedensten med. Massage Angebote getestet und leiser wenig Erfolg hatte, klingt diese Massage sehr interessant. Auch der angenehme Geruch von Honig stelle ich mir sehr angenehm vor. Ich denke, dass so medizinische Massage und klassische Massage einen Einklang finden.
    Liebe Grüsse, Bianca

  2. Liebe Bianca, ich bin ja ein neugieriger Mensch und habe die Honigmassage schon ausprobiert. Ich fand es ein sehr ungewöhnliches Gefühl zwischen „Wohlweh“ wenn der Honig schon ziemlich fest ist und super entspannend. Du hast Recht, der Geruch ist wunderbar!
    Jedenfalls wünsche ich Dir, dass du deine ganz persönlichen Honigmassage-Erfahrungen machst und sie genießt!
    Ruth

  3. Toller Artikel, bei Arthrose sollte man aber immer erst die muskuläre Balance wieder herstellen, dann stimmt die Gelenkgeometrie wieder und der Schmerz ist meist wieder weg. Leider werden Schmerzen immer falsch gedeutet

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