Was macht gute Propolis-Qualität aus?

Hartmut Schreiter ist Geschäftsführer der Hamburger Firma ALLWEX Food Trading GmbH (ww.allwex.de ), die sich auf die Beschaffung und Verarbeitung von hochwertigen Bienenprodukten spezialisiert hat. Ruth Auschra führte mit ihm ein Interview für proplis-honig.de über die Qualität von Propolis.

Herr Schreiter, Sie sind Spezialist für die Qualität von Propolis. Gibt es typische Unterschiede, die Ihnen beim Einkauf von Propolis auffallen?
Schreiter: Wir müssen zwischen objektiven und subjektiven Kriterien unterscheiden. Zu den objektiven Problemen gehören zum Beispiel Verunreinigungen. Rückstände durch Pestizide, Bienenarzneimittel und Schwermetalle sind relativ häufig. Aber auch mikrobiologische Probleme können auftreten.

Was meinen Sie damit?
Schreiter: Propolis kann Keime, Schimmel oder zum Beispiel auch Bakterien enthalten. Das ist erst einmal überraschend, weil Propolis von den Bienen ja gerade als Schutz vor Keimen und Pilzen eingesetzt wird. Solche Belastungen sehe ich als Folge von Lagerungsproblemen oder von hygienischen Problemen bei der Ernte. Propolis wird überwiegend nach der Honig-Saison vom Imker aus dem Bienenstock entnommen und bis zum Verkauf zwischengelagert. Oft vergehen viele Wochen, in denen Propolis ohne Temperaturkontrolle gelagert wird. In dieser Zeit können mikrobiologische Probleme entstehen bzw. fortschreiten. Hierfür sind z.B. auch die mechanischen Verunreinigungen, wie Holzsplitter oder Stoffreste, die für Propolis typisch sind, mitverantwortlich. Auch solche Verunreinigungen können der Nährboden für Schimmel und Keime sein.

Sie hatten vorhin von subjektiven Qualitätskritierien gesprochen…
Schreiter: Ja, damit meine ich die Inhaltsstoffe von Propolis, zu denen es sehr unterschiedliche Vorstellungen und Auffassungen gibt. Die im Propolis enthaltenen Flavonoide sollen ja nach einhelliger Meinung für den Wert dieses Bienenkitts verantwortlich sein. Jetzt hört man aber völlig unterschiedliche Aussagen zur Konzentration von Flavonoiden. Ich höre zum Beispiel, brasilianisches Propolis würde 20-30 Prozent Bio-Flavonoide enthalten. Gemeint sind damit aber die gesamten phenolischen Verbindungen. Wir richten uns dagegen nach dem Europäischen Arzneibuch und dessen Vorgehensweise bei der Bestimmung von Flavonoiden. Nach diesen Kriterien findet man deutlich geringere Flavonoid-Anteile, nämlich etwa 1-7 Prozent. Der wissenschaftliche Streit über die Frage, welche Bestandteile wertgebend für Propolis sind, ist noch nicht beendet. Verstehen Sie, es ist nicht leicht zu sagen, welches Propolis eine höhere Qualität hat als ein anderes.

Von den Verunreinigungen abgesehen.
Schreiter: Ja, das sind, wie gesagt, die objektiven Kriterien. Bei den subjektiven Kriterien gibt es unter unseren Kunden eine große Bandbreite. Die meisten unserer Kunden bevorzugen europäische Propolis, andere eher grüne brasilianische Propolis. Wissenschaftlich lässt sich das heute noch nicht belegen, welche Propolis denn besser ist. Unsere Firma vertritt in dieser Frage eine neutrale Position. Grundsätzlich gilt für uns das Europäische Arzneibuch. Wie unsere Kunden die subjektiven Qualitätskriterien interpretieren, ist deren Sache.

Woher beziehen Sie die größten Propolis-Mengen?
Schreiter: Es gibt drei Schwerpunkte. Europäisches Propolis, brasilianisches und Fernost-Ware. In China wird sehr viel Imkerei betrieben, China kann somit entsprechend große Mengen Propolis liefern. Allerdings haben wir hier häufiger mit großen objektiven Qualitätsproblemen zu tun, mit Verunreinigungen oder Belastungen also. Bei den subjektiven Kriterien, allen voran die Gesamtflavonoide, ist die chinesische Propolis oftmals besser als andere. Aber was ist das Entscheidende, um die Qualität zu beurteilen? Wie viele verschiedene Flavonoide machen Bienenkitt zu einem hochwertigen Produkt?

Sind das natürliche Unterschiede?
Schreiter: Es gibt natürliche Unterschiede. Ob es noch andere Gründe gibt, kann ich nicht sagen. Propolis aus Nordeuropa unterscheidet sich von südosteuropäischem. Das ist nicht verwunderlich, weil im Norden zum Beispiel ganz andere Bäume stehen als im Süden. Pappeln sind große Flavonoidspender, Nadelbäume nicht. Ein alter, sehr erfahrender Imker hat sich einmal über mich lustig gemacht. Er meinte, jedes Propolis auf der Welt schafft es, im Bienenstock dieselben Funktionen zu erfüllen, nämlich als Werkstoff und um den Bienenstock keimfrei zu halten. Warum soll man sich dann überhaupt die unterschiedliche Zusammensetzung anschauen? Die ist auf der ganzen Welt verschieden – und es wirkt trotzdem gleich. Recht hat er. Auch die Wissenschaft ist bisher nicht in der Lage, Wirkstoff und Wirkung von Propolis genau zu definieren.

Ich habe gelesen, dass Sie auch hochreines Propolis anbieten, das einen höheren Flavonoidanteil haben soll. Was muss ich mir darunter vorstellen?
Schreiter: Es gibt unterschiedliche Methoden, Propolis zu reinigen. Eine Reinigung von mechanischen Verunreinigungen ist sicher sinnvoll. Niemand will einen kleinen Holzsplitter im Zahnfleisch haben, wenn er Propolis in der Mundpflege benutzt. Splitter geraten in das Propolis, wenn man es mit einem Messer vom Holzrahmen abkratzt. Das Entfernen von Verunreinigungen und auch Wachs führt rein rechnerisch schon dazu, dass der Flavonoidanteil steigt. Wenn man Propolis mit Ethanol bearbeitet, erhält man ein Extrakt. Das bedeutet, die mechanischen Verunreinigungen werden herausgenommen, das Wachs verschwindet fast komplett aus dem Propolis und auch die Schwermetalle lassen sich abscheiden. Aber danach ist dieses Propolis kein Naturstoff mehr. Vielleicht ist ja gerade das Wachs irgendwo an der Wirkung beteiligt! Eine Alternative ist das Verarbeiten in einer Mühle, die Propolis zu Pulver oder Granulat verarbeitet.

Viele Imker verarbeiten ihre Bienenprodukte ja selbst. Was halten Sie davon?
Schreiter: Da schlummern zwei Seelen in meiner Brust. Einerseits freue ich mich, wenn Propolis, Gelee Royal und andere Bienenprodukte überhaupt vermarktet werden. Auf der anderen Seite kenne ich natürlich die Qualität dieser Produkte nicht. In meiner Firma wird jede Charge geprüft. Die Kosten dafür sind enorm. Wir brauchen mindestens 300kg, damit sich das rechnet. Das kann sich ein Imker nicht leisten. Deshalb sind also viele ungeprüfte Produkte im Umlauf. Das ist nicht unsere Philosophie. Manchmal zieht die Lebensmittelüberwachung ja auch auf dem Wochenmarkt Proben. Wenn dann verunreinigtes Propolis gefunden wird, gibt das schlechte Presse für Propolis allgemein. Einmal stand in der Zeitung, in Argentinien sei es nach Propoliskonsum zu Todesfällen gekommen. Prompt standen ein paar Tage später Kontrolleure in meiner Firma. Gefunden haben sie nichts, alles war in Ordnung. Ich habe selbst recherchiert und herausgefunden, dass in Argentinien zwar tatsächlich Menschen gestorben waren, die ein Propolis-Mittel genommen hatten. Aber nicht das Propolis war tödlich für die Menschen gewesen – es war mit einem giftigen Lösungsmittel extrahiert worden. Aber so etwas ist zum Glück die ganz große Ausnahme.

3 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Schreiter,
    von Herrn Bröker (IMO) habe ich Ihre Adresse bekommen, mit dem Hinweis, dass Sie das beste Gelee Royal verkaufen. Gerne würde ich ein Kilo bestellen. (Möglichst keines aus China)
    Bitte teilen Sie mir mit, ob und zu welchem Preis Sie frisches, möglichst Bio Gelee Royal verkaufen.
    Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Alfons Wittmann
    Bioland-Imker

  2. Guten Tag Herr Wittmann

    Vielen Dank für Ihr Interesse an unseren Produkten. Bitte melden Sie sich telefonisch bei uns (Tel.Nr. siehe Website), damit wir über Ihren Bedarf sprechen können.

    Freundliche Grüße aus Hamburg
    Hartmut Schreiter

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