Bienengift für Multiple Sklerose, eine Neurologin berichtet

Bienengift bei multipler Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen
Bienengift bei MS, ED

Bienengift für kranke Nerven

Ob Bienengift eine Rolle in der Therapie neurologischer Erkrankungen wie multiple Sklerose spielt, gilt unter Nervenärzten als umstritten. Während Schulmediziner Bienengiftbehandlungen als gefährlich und unwirksam ablehnen, schwören Apitherapeuten bekanntlich auf die Wirksamkeit. Eine Gruppe brasilianischer Wissenschaftler hat jetzt eine Übersicht verfasst, die für mehr Klarheit sorgen soll.

Sie vergleichen die Ergebnisse von Wirksamkeits-Studien und beschreiben die möglichen Wirkungsweisen von Bienen- und Wespengift bei der Behandlung von schweren neurodegenerativen Erkrankungen. Im Fokus haben sie dabei vor allem Alzheimer, Parkinson, Epilepsie, Multiple Sklerose (MS) und Amyotrophe Lateralsklerose (ALS).

Für die aktuell verfügbaren Medikamente zur Behandlung chronischer neurologischer Krankheiten finden die Autoren nicht viel Lob: nur symptomatische Linderung, wobei schwere Nebenwirkungen häufig sind.

Warum wirkt Bienengift überhaupt? Weil es reich ist an neuroaktiven Molekülen, die nach Überzeugung der Autoren auch eine wertvolle Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente sein könnten. Bienengift wirkt, weil es eine Vielzahl von pharmakologisch aktiven Substanzen enthält, zum Beispiel biogene Amine, Enzyme und Proteine wie Melittin. Es hemmt entzündliche und Schmerzreaktionen, weshalb es häufig entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis angewandt wird – und eben auch im Rahmen von neurologischen Erkrankungen, die mit entzündlichen Veränderungen einhergehen.

Allerdings ergeben die vorgestellten Studien tatsächlich unterschiedliche Ergebnisse. Das Spektrum reicht von wirkungslos bis hin zu sehr ermutigend. Lesenswert ist die Übersicht allemal. Ruth Auschra von propolis-honig.de nahm die Arbeit zum Anlass, eine Neurologin zu befragen, die in ihrer Privatpraxis komplementärmedizinisch arbeitet und neben Akupunktur oder Homöopathie auch Bienengift einsetzt: Dr. Maja Roje Novak aus Zagreb (http://dr-roje.com/neurologische-artztpraxis).

 

Frau Dr. Maja Roje Novak aus Zagreb über Erkrankungen wie Multiple Sklerose

MS-Patienten behandelt sie häufig mit Bienengift, da es antientzündlich wirkt und die Multiple Sklerose eine entzündliche Erkrankung darstellt. Bienengift enthält etwa 50 Prozent Melittin, das einerseits für die Entwicklung lokaler Schmerzen nach Bienenstichen verantwortlich zu sein scheint, andererseits auch für heilsame Wirkungen wie Entzündungshemmung.

Die Zagreber Ärztin setzt unterschiedliche Behandlungsprotokolle ein. Bei manchen Patienten steigert sie die Zahl der täglichen Bienengiftbehandlungen langsam bis auf ein Maximum von 20. Andere Ärzte, so berichtet sie, wenden sogar bis zu 60 Behandlungen an. Auch eine einmal wöchentliche Behandlung mit bis zu 20 Applikationen ist möglich. Oft behandelt sie zuerst sechs Wochen lang täglich und anschließend sechs Monate lang wöchentlich – je länger, desto besser.

Novak berichtet, dass in 10-15 Prozent der Fälle allergische Reaktionen auftreten. Das Spektrum reicht von milden bis hin zu sehr schweren Verläufen. Die Ärztin ist darauf vorbereitet, notfalls Adrenalin, Antihistaminika und Cortison zu verabreichen. Sie erinnert daran, dass Allergien bei jedem Patienten und zu jedem Zeitpunkt der Therapie möglich sind. Um Zwischenfälle zu vermeiden, rät sie dazu, vor der Bienengifttherapie zu essen, zu schlafen und Antihistaminika einzunehmen. Wer schon einmal allergisch auf Bienengift reagiert hat, wird von ihr nicht damit behandelt.

Heilung, Linderung – welche Erwartungen an die Bienengifttherapie sind realistisch? Die Antwort fällt Novak nicht leicht. Da sie integrative Medizin praktiziert, kombiniert sie normalerweise mehrere Methoden. Sie benutzt zum Beispiel Bienengift zusammen mit Homöopathie, orthomolekularen Mitteln oder immunstimulierenden Maßnahmen. Einen persönlichen Eindruck verrät sie trotzdem: Die Ergebnisse scheinen bei Patienten, bei denen sie die Bienengifttherapie ausschließt, nicht so gut zu sein wie bei denen, die Bienengift erhalten. Sie benutzt es übrigens auch häufig bei Patienten, die unter rheumatoider Arthritis mit Gelenkschwellungen leiden, vor allem, wenn kleine Gelenke an den Händen geschwollen sind.

Viele ihrer Patienten kommen aus Deutschland, Österreich oder auch aus der ganzen Welt, aus Australien beispielsweise.

 

Quellen

  1. Silva J, Monge-Fuentes V, Gomes F, Lopes K et al: Pharmacological Alternatives for the Treatment of Neurodegenerative Disorders: Wasp and Bee Venoms and Their Components as New Neuroactive Tools. Toxins 2015, 7 (8), 3179-3209; doi:10.3390/toxins7083179
  2. Persönliche Auskünfte von Dr. Maja Roje Novak aus Zagreb (E-Mail erhalten am 1.9.2015)

 

Foto: Dr. Maja Roje Novak (Quelle: privat)

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