Bienenschwarm überfällt Rechtsanwalt

Bienenschwarm überfällt Rechtsanwalt
Rechtsanwalt Peters musste unangenehme Bekanntschaft mit einem Bienenschwarm machen

Kann man einen Imker dafür haftbar machen, wenn sein Volk schwärmt und es bei mehreren Ausflüglern zu Stichverletzungen kommt? In diesem Fall kann man einen der Ausflügler dazu befragen – Sigmar Peters ist nämlich Rechtsanwalt in Emmerich. Ein Interview von Ruth Auschra.

Herr Peters, Sie waren kürzlich zwischen Kranenburg und Kleve mit der Grenzland-Draisine unterwegs, also mit einer Art Mannschaftswagen mit Fahrradantrieb auf Eisenbahnschienen. Dabei sind Sie von einem Bienenschwarm angegriffen worden. Jetzt denken Sie über rechtliche Schritte nach. Fasst das die Sache richtig zusammen?

Peters: Ja, das ist richtig. Ich habe an dem Abend meinen Junggesellenabschied gefeiert, wir waren mit 18 Herren unterwegs. Auf der Hinfahrt bemerkten wir ein Schild „Vorsicht Bienen“, aber es passierte nichts. Auf dem Rückweg bekamen wir mit, dass die Gruppe vor uns sich über irgendetwas aufregte, den genauen Grund konnten wir nicht feststellen. Dann sind plötzlich Unmengen von Bienen über uns hergefallen. Die müssen unter den Gleisen gesessen haben. Einer von uns wurde 15mal gestochen, auch in den Kopf. Er konnte sich dann halbwegs in den Pool eines Privathauses in der Nähe retten. Ein anderer reagierte allergisch auf die Stiche. Er musste ärztlich behandelt werden, sein Gesicht ist jetzt noch ganz angeschwollen. Mir ist zum Glück nichts passiert. Ich habe weitergestrampelt, war wie traumatisiert.

Und wie wurden Sie gerettet?
Peters: Daran waren die Feuerwehr und ein Schädlingsbekämpfer beteiligt. Angeblich handelte es sich um rund 30.000 Bienen, das kann man sich kaum vorstellen.

Gegen wen sind denn aus Ihrer Sicht rechtliche Schritte vorstellbar?
Peters: Ob und gegen wen wir rechtlich vorgehen werden, das kann ich im Augenblick noch nicht sicher sagen. Aber es ist auffällig, dass ganz in der Nähe von dem Ort des Bienenangriffs eine Imkerin wohnt. Es liegt nahe, dass es sich um ihre Bienen handelt. Sie sieht das allerdings anders. Eventuell wäre das ein Fall von Tierhalterhaftung.

Was versteht man darunter?
Peters: Die Tierhalterhaftung ist eine Form der Gefährdungshaftung. Sie besagt, dass der Tierhalter grundsätzlich für die Schäden haftbar gemacht werden kann, die sein Tier anrichtet. Vielleicht kann man auch die Gemeinde oder die Firma, die die Draisinen verleiht, für den Schaden haftbar machen. Eventuell liegt da eine Verkehrssicherungsverletzung vor…

Ich habe gelesen, dass der Geschäftsführer der Grenzland-Draisinen GmbH von höherer Gewalt spricht.
Peters: Das habe ich auch gelesen. Dieser Sachverhalt wäre aus meiner Sicht erst noch zu prüfen. Ich weiß ja nicht, wie oft an der Bahnstrecke entlang beispielsweise Kontrollgänge stattfinden. Die Strecke ist mit Sträuchern bewachsen, vielleicht müsste man da mal etwas unternehmen.

Kann man einen Imker überhaupt dafür verantwortlich machen, dass seine Bienen schwärmen oder angriffslustig werden? Bienen lassen sich ja nicht wie Hunde an die Leine legen…
Peters: Wie gesagt, im Rahmen der Tierhalterhaftung müsste der Imker dafür sorgen, dass seine Tiere keinen Schaden anrichten können. Genau das haben die Bienen aber in unserem Fall getan. Meiner Einschätzung nach kann man in so einem Fall durchaus über ein Schmerzensgeld nachdenken. In der Draisine hinter uns war eine Familie mit Kindern. Wenn die überfallen worden wäre, wäre das alles vielleicht nicht so glimpflich abgegangen. Irgendjemand muss doch dafür zuständig sein, die Bevölkerung vor solchen Übergriffen zu schützen!

10 Kommentare

  1. Es ist doch so…nach dem uralten Schwarmgesetz ist doch ein Volk sobald es schwärmt herrenlos…es gehört von dem Augenblick an nicht mehr dem Imker…dieser ist folglich nicht mehr der Eigentümer und somit nicht haftbar zu machen…der herrenlose Schwarm gehört demjenigen der ihn zuerst sieht…somit ist derjenige der zuerst gestochen wurde der rechtmäßige Besitzer des Schwarms und somit derjenige der haftbar ist…oder nicht? 😉

  2. Ich glaub mich beißt ein Reh. Der Schwarm ist herrenlos. Mit anderen Worten, man kann keinen haftbar machen. So leid mir das für den Herrn Rechtsanwalt tut. Ohne Rechtsgrundlage keine Möglichkeit einen Anspruch durchzusetzten. Gut dass der Herr Anwalt die Frage nicht im Examen zu beantworten hatte…

  3. Liebe Leser unseres Blogs. Manche Themen lassen sicher eine sehr unterschiedliche Auslegung zu. Bei der Diskussion bitte ich euch, immer sachlich zu bleiben und vor allem keine persönlich verletzenden Statements abzugeben.

  4. Es fällt einem als Imker schwer, ein solches Abenteuer ernsthaft zu glauben. Das klingt mir ein bisschen sehr nach Münchhausen. Ein Bienenschwarm unter den Draisinengleisen, ein angriffslustiger Schwarm, ¨ es sollen 30.000 gewesen sein¨, im August-September? Dann schwärmen keine Bienen mehr, die bereiten sich auf den Winter vor und haben besseres zu tun, als Wegelagerei auf Anwälte beim Junggesellenabschied zu betreiben. Die Schwarmzeit ist der Frühsommer (Mai-Juni)! Normalerweise stechen schwärmende Bienen überhaupt nicht. Und wenn, dann plädiere ich auf Notwehr nach § 227 (BGB). So ¨ ausfällig¨ wie in der phantasievollen Erlebniserzählung des jungen Anwalts geschildert, werden Honigbienen nur, wenn sie die Existenz Ihres Volkes in Gefahr sehen. Das könnte z.B. passieren, wenn angetrunkene Rechtsgelehrte einen Bienenstock mit einem Bartresen verwechseln. Und selbst dann werfen die Immen nicht gleich alle verfügbaren Kräfte in die Schlacht, sondern zeigen durch sogenannte Drohflüge zunächst einmal an, dass die Getränke ausgegangen sind und man als abgewiesener Gast lieber kräftig in die Pedale der Draisine treten sollte, bevor es Stiche setzt.

    Wahrscheinlich ist der Herr Anwalt dem Biene Maja Effekt aufgesessen. Die schwarz-gelb Zeichnung des animierten Kinder-Tv-Stars hat leider offenbar nicht nur bei Kindern dazu geführt, dass viele Zeitgenossen Bienen nicht mehr von Wespen unterscheiden können. Überhaupt spricht sowohl der Zeitpunkt als auch das Angriffsveralten der fürchterlichen Insektenarmee für eine Wespenattacke. Auch Wespenkolonien können auf bis zu 10.000 und mehr Individuen anwachsen und reagieren äußerst aggressiv, wenn man irgendwie ¨ in ihr Nest sticht¨. Hätte der Junggesellenverein Nerven gezeigt und sich ruhig verhalten, wäre aber auch da nicht viel passiert. Wenn man absolut stillhält, können einen die Wespen sozusagen nicht sehen, weil ihre Facettenaugen nur auf bewegte Objekte reagieren.

    Natürlich sind Stiche schmerzhaft, egal ob von Wespen oder Bienen, aber damit muss man immer bei einem Ausflug ins Grüne rechnen. Dafür braucht man aber nicht gleich was gegen die Sträucher entlang der Strecke zu ¨unternehmen¨. Die tun nun wirklich keinem was, im Gegenteil, sie gehören zum natürlichen Umfeld.

    Wer Angst vor ¨ tätlichen Übergriffen¨ der Natur hat, der sollte vielleicht doch besser ein ¨Bier Bike¨ in der Stadt für den Junggesellenabschied buchen. Das Endresultat wäre das gleiche, und es könnte einem höchstens eine tieffliegende Amazon Drohne bei der Warenauslieferung anrempeln. Für Anwälte hätte das dann den Vorteil, dass man sich statt an einer engagierten Hobbyimkerin an einem amerikanischen Konzern juristisch abarbeiten könnte.

    • Hallo Herr Marzellus,

      ich habe ihren Kommentar übersehen und diesen deshalb nicht veröffentlicht. Das möchte ich hiermit gerne nachholen und mich bei ihnen entschuldigen.
      Generell finde ich es schon wichtig, auch die Ansichten von Nichtimkern, welche eine vermeitlich schlechte Erfahrungen mit Bienen gemacht haben, zu veröffentlichen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Andreas Kappl

  5. Da ein ironischer Kommentar wohl unerwünscht ist, sage ich es geradeheraus: Der Bienenüberfall, den der Anwalt hier schildert und auch sein Naturverständnis sind lächerlich und absoluter Quatsch. Schade, dass ein Imker so etwas auf seiner Website veröffentlicht und zur völlig überflüssigen Naturhysterie beiträgt. Immerhin hat der Beitrag mir Stoff geliefert, für einen satirischen Blogeintrag in meinem Bienenblog. Aber manche mögens lieber schön kuschelig und konfliktfrei. Egal ob solch ein haarsträubender Unsinn erzählt wird oder nicht

  6. Also, das Ganze ist schon ein bisschen unglaublich.
    1. Bienen sammeln sich sehr selten am Boden, wenn sie schwärmen; meist eher an Bäumen. Dass sich ein „Bienenschwarm“ unter den Gleisen „versteckt“, halte ich als langjährige Imkerin für mindestens unwahrscheinlich.
    2. Im August schwärmt in Deutschland kein Bienenvolk mehr. Dann ist die Schwarmzeit längst vorbei und die Bienen bereiten sich auf den Winter vor.
    3. Dass sich ein Bienenschwarm schon früher im Jahr an genau dieser Stelle eingenistet hat, ist wohl auch eher fraglich, wenn dort öfters mal Draisinen drüber rumpeln.
    4. Ein sehr großer Bienenschwarm im Mai (zur Hauptschwarmzeit!) umfasst etwa 10000-15000 Bienen. Ein Schwarm mit 30000 Tieren, noch dazu im August, ist m.E. schon fast ein fliegendes Schwein.
    und zur Rechtslage noch 5. Bienen sind, rechtlich gesehen, Wildtiere, daher: § 960
    Wilde Tiere
    (1) Wilde Tiere sind herrenlos, solange sie sich in der Freiheit befinden.
    § 961 Eigentumsverlust bei Bienenschwärmen
    Zieht ein Bienenschwarm aus, so wird er herrenlos, wenn nicht der Eigentümer ihn unverzüglich verfolgt oder wenn der Eigentümer die Verfolgung aufgibt.

    Ehrlich gesagt, drängt sich mir der Gedanke auf, dass die Gruppe möglicherweise (Junggesellenabschied?) nicht mehr ganz nüchtern war und das ein oder andere Tier doppelt gesehen hat. Und da heutzutage sowieso niemand mehr Bienen von Wespen unterscheiden kann, waren es halt die Bienen der Anwohnerin.

  7. Vieleicht war der war der Junggesellenabschied mit den Kosten aus dem Ruder gelaufen, also musste man sich etwas einfallen lassen.

  8. Ich würde jedem raten, die Bienen bei seiner Haftpflichtversicherung anzumelden. Je nach Versicherungsgesellschaft kostet das nicht mal einen Aufschlag und so ist man definitiv auf der sicheren Seite. Wobei die Geschichte für mich auch etwas „konstruiert“ klingt 😉

  9. Bin auch Jungimkerin und bei mir hat das ganzes Volk auch mitte Oktober geschwärmt.Mir wurde gesagt,es kann sein dass das Volk evtl.sehr stark mit Varroamilben befallen war.Sonst schwärmen sie nicht im Oktober.

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