Apitherapie ist in Litauen gut bekannt

Apotheker, Litauen, Apitherapie Bild Bigstock, Foto: Wavebreak Media Ltd. Apitherapie - unter jungen Apothekern in Litauen wieder im Kommen

Von jeher haben sich Menschen in allen Gesellschaften bemüht, nach Mitteln zur Erhaltung der Gesundheit und zur Heilung von Krankheiten zu suchen. Deshalb hat jede Region ihre volksheilkundlichen Traditionen. Die Apitherapie, der Einsatz von Bienenprodukten also, gehört in vielen Gegenden der Welt dazu. Vor Tausenden von Jahren wurden in Asien Bienenprodukte ebenso eingesetzt wie im alten Ägypten. Allerdings ist das Wissen über die traditionellen Methoden der Apitherapie längst nicht mehr überall vorhanden. Andererseits werden apitherapeutische Produkte auch bei uns in Apotheken verkauft. Kennen sich angehende Apotheker mit Apitherapie aus? Diese Frage wurde in Litauen untersucht. Befragt wurden Master-Studenten der Universität Kaunas, die bereits 1-20 Jahre praktische Erfahrungen als Assistenten besaßen.

Sie erhielten einen Fragebogen, mit dem ihr Wissen über Bienenprodukte abgefragt wurde, ihre Gewohnheiten ebenso wie ihre Erfahrungen und ihr Wissen zum praktischen Vorgehen in Prävention und Therapie.

Sind Pharmazie-Studenten Apitherapie-Kenner?

Den Fragebogen füllten 72 Studenten aus. Sie gaben überwiegend an, dass Apitherapie zur traditionellen litauischen Volksmedizin gehört, heute allerdings nicht mehr sehr populär ist. Alle kannten mindestens ein apitherapeutisches Produkt, am bekanntesten war Honig. 62 Prozent der Pharmazie-Studenten waren überzeugt vom Sinn der Bienenprodukte für den eigenen Gebrauch, 34 Prozent berichteten, dass sie Apothekenkunden Bienenprodukte empfehlen würden. Die angehenden Apotheker fanden überwiegend, dass sie ausreichend gut informiert über Apitherapie waren. Als Experten sahen sie sich dagegen nicht an. Etwa zwei Drittel fanden, dass jede Gemeinde-Apotheke apitherapeutische Produkte vorrätig haben sollte. Knapp die Hälfte war dafür, zum Einsatz von Bienenprodukten zu ermutigen.

Einsatzmöglichkeiten zur Prävention

Die litauischen Pharmazie-Studenten wurden gebeten, die Einsatzmöglichkeiten der einzelnen Bienenprodukte im Bereich der Prävention zu beurteilen. Dazu vergaben sie Noten von 1 (starke Ablehnung) bis 5 (starke Übereinstimmung). Für den Einsatz zur Immunstärkung entstanden beispielsweise die folgenden Durchschnitts-Noten. Honig: 3,86, Propolis: 3,54, Gelee royale: 3,46, Pollen und Bienenbrot: 3,48 und Bienengift: 2,01. Man kann also zusammenfassen, dass die angehenden Pharmazeuten von der Wirksamkeit der Bienenprodukte zur Verbesserung der körpereigenen Abwehr ausgingen. Weniger überzeugt waren die Studenten zum Beispiel vom präventiven Nutzen bei Atemwegsinfektionen (an erster Stelle Honig mit 3,57) oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen (an erster Stelle Gelee royale mit 2,4). Interessant auch die Antworten auf die Frage, ob Bienenprodukte zur Unterstützung eines unerfüllten Kinderwunsches geeignet seien – der wissenschaftliche Ausdruck lautet „Verbesserung der Fertilität“. Zu diesem Thema haben wir bereits über eine Studie mit Propolis und über Studien mit Honig berichtet. Hier gaben die Studenten Pollen und Bienenbrot mit 3,0 den höchsten Wert.

Am wenigsten überzeugt waren die Studenten vom präventiven Einsatz bei Allergien. Hier vergaben sie durchweg niedrige Wertungen. Honig erreichte zum Beispiel nur 1,36, Bienenbrot und Pollen 1,6.

Therapeutische Einsatzmöglichkeiten

Dann sollten die Studenten ankreuzen, welche Bienenprodukte ihnen zu therapeutischen Einsatzmöglichkeiten bekannt waren. Sie sollten unterscheiden zwischen Haupttherapie, begleitender Therapien, „weiß ich nicht“ und „ist keine Therapie“. Bei Arthritis wurde Honig beispielsweise nur von 4,7 Prozent der Studenten als Haupttherapie bezeichnet, Bienengift dagegen von 37,1 Prozent. Bei Atemwegserkrankungen standen Propolis und Honig im Rampenlicht: Propolis wurde von 34,8 Prozent als Haupttherapie und von 52,2 Prozent als begleitende Therapie. Honig wurde von 29,8 Prozent als Haupttherapie und von 62,7 Prozent als begleitende Therapie gesehen. Ähnlich war das Ergebnis für Hautkrankheiten bei Honig (18,4% Haupttherapie, 55,4% begleitend) und Propolis (22,1% und 55,9%). Auch in der Augenheilkunde bekamen Honig und Propolis Werte von über 50 Prozent.

Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Fast alle Studenten (97%) gaben allergische Reaktionen als mögliche unerwünschte Wirkungen von Bienenprodukten an. An zweiter Stelle stand mit 45,8 Prozent Erbrechen, gefolgt von Kopfschmerzen (13,9%). Die Pharmazie-Studenten wurden auch danach gefragt, wem sie keine Bienenprodukte empfehlen würden. Ganz vorne standen hier Patienten mit Allergien (90,3%), gefolgt von Kindern unter 3 Jahren (62,5%) und schwangeren Frauen (61,1%). Nur wenige der Befragten würden auch Teenagern (18,1%) oder Krebspatienten (15,3%) keine Bienenprodukte geben.

Ob die Ergebnisse unter deutschen Pharmazie-Studenten anders ausgefallen wären?

 

Quelle:

Sonata Trumbeckaite, Jurgita Dauksiene, Jurga Bernatoniene and Valdimaras Janulis: Knowledge, Attitudes, and Usage of Apitherapy for Disease Prevention and Treatment among Undergraduate Pharmacy Students in Lithuania. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine Volume 2015, Article ID 172502, 9 pages http://dx.doi.org/10.1155/2015/172502

 

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