Imker und Brustkrebs-Spezialist

Prof. Münstedt, Imker und Arzt, Brustkrebs, Honig Bild: Arzt und Imker - Prof. Dr. Karsten Münstedt (Quelle: privat)

In seiner Freizeit ist Prof. Dr. Karsten Münstedt Imker. Von Beruf ist er Arzt, Chefarzt der Frauenklinik am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach sowie Leiter des Brustzentrums und des Gynäkologischen Krebszentrums Offenburg Ebertplatz. Im Interview mit Ruth Auschra erläutert er, wann er auch Honig zur Therapie einsetzt.

Herr Professor Münstedt, Sie publizieren über die verschiedensten Themen: zum Beispiel über alternative Krebstherapien, über die Züchtung vitalerer Bienen, über die Gefahr von Borreliose bei Imkern oder über die Bewertung von Apitherapie nach wissenschaftlichen Kriterien. Beim Blättern ist mir aufgefallen, dass Sie immer sehr sauber wissenschaftlich argumentieren, wenn es um Naturheilverfahren geht.

Prof. Münstedt: Warum fällt Ihnen das auf? Sauberes Arbeiten finde ich in allen Bereichen selbstverständlich. Damit meine ich auch Sorgfalt und Konzentration bei dem, was ich tue. Ich war zuerst Imker, später bin ich dann Arzt geworden. Als Imker muss man auch sehr genau sein. Ich habe mich in den letzten Jahren für eine respektvolle Imkerei entschieden. Im Vordergrund stehen für mich immer die Bedürfnisse des Bienenvolks. Ich gehe auch immer ohne Schutz zu den Bienen und dann vorsichtiger oder behutsamer mit ihnen um. So werde ich kaum jemals gestochen. Und das bei inzwischen 45 Völkern.

 

Interessant. Aber worüber sprechen wir jetzt am besten? Über den Imker oder den Arzt?

Prof. Münstedt: Wir können gerne über Apitherapie sprechen.

 

Danke! Sie arbeiten ja in erster Linie mit Krebs-Patientinnen. Setzen Sie beruflich auch Apitherapie ein?

Prof. Münstedt: Im Allgemeinen nicht. Mir ist es wichtig, für jede Patientin die jeweils beste Lösung zu finden. Was am besten ist, kann man nur auf der Grundlage evidenzbasierter Studienergebnisse entscheiden. Zur Erläuterung: Ich habe vor kurzem eine Arbeit geschrieben über die Wirksamkeit von Bienenprodukten bei Krebs. Dazu habe ich Aussagen aus apitherapeutischen Büchern überprüft. Oft empfehlen die Autoren Bienenprodukte gegen Krebs. Die meisten Aussagen in den Büchern sind allerdings wissenschaftlich einfach nicht haltbar und ich bezweifle, dass die Autoren tatsächlich mit den Methoden positive Erfahrungen gemacht haben.

 

Das heißt, Sie setzen Bienenprodukte nur ein, wenn Sie eine sichere Studiengrundlage haben, mit der die Wirksamkeit bewiesen wird? Wann ist das zum Beispiel der Fall?

Prof. Münstedt: Ein Beispiel sind Patientinnen mit Brustkrebs und exulzerierendem Befund. Das bedeutet, der Tumor ist durch die Haut nach außen durchgebrochen. In solchen Fällen kommt es zu extrem unangenehmen Wunden, die nässen und sehr stark riechen. Sie stinken richtiggehend! Die Schulmedizin ist hier oft hilflos, während man meiner Erfahrung nach in solchen Situationen mit Honig sehr gute Erfolge haben kann.

 

Aber nicht im Sinn einer Heilung der Krebserkrankung, oder?

Prof. Münstedt: Genau, aber die Wunde wird besser. Diesen Effekt darf man aber nicht unterschätzen. Die Patientinnen, die Angehörigen und das gesamte Umfeld leiden unter den stinkenden Wunden wirklich extrem. Wenn der Honig dazu führt, dass der Geruch verschwindet und die Wunde weniger entzündlich ist, dann ändert sich das Leben der Patientin. Plötzlich halten es Pflegepersonal und Besucher wieder in ihrem Zimmer aus. Es entsteht wieder Normalität und die Patientin ist nicht mehr allein. Sterben müssen wir alle irgendwann, aber einsam nur aufgrund so einer Wunde – das muss nicht sein.

 

Und diese Art von Therapie wird in der Klinik akzeptiert?

Prof. Münstedt: Anfangs haben die Schwestern nicht an den Honig geglaubt. Es hatten ja schon einige Therapieversuche mit antiseptischen Spülungen nichts gebracht. Die Schwestern haben sogar über den Honig gelacht. Bei meinem ersten Einsatz von Honig war nach zwei Tagen Honigtherapie die Wunde dann aber so viel besser, dass keiner mehr gelacht hat.

Es gibt noch weitere Anwendungsmöglichkeiten von Bienenprodukten. Ich habe zum Beispiel gerade eine Studie über Honig und Pollen bei Brustkrebspatientinnen mit Hitzewallungen unter antihormoneller Therapie veröffentlicht. Die Wirkung war sehr gut. Übrigens wirkt das auch bei Frauen in den Wechseljahren, die unter Hitzewallungen litten.

 

Das klingt gut! Haben Sie noch mehr solche Beispiele?

Prof. Münstedt: Ja. Eine Patientin hatte nach der Brustkrebs-Operation eine mit MRSA besiedelte Wunde, eine Wunde mit resistenten Keimen also. Die Kollegen hatten schon einiges versucht, sie hatten 14 Tage erfolglos mit Antibiotika behandelt. Ich habe ihr eine Behandlung mit Honig vorgeschlagen. Einfach auf die Wunde gestrichen. Die resistenten Keime waren nach drei Tagen Honigbehandlung verschwunden.

 

Ich weiß, dass es Laboruntersuchungen zu MRSA und Honig gibt. Aber dass es tatsächlich in der Klinik wirkt – genial!

Prof. Münstedt: Und mir fällt noch ein anderes Beispiel ein. Es ging um eine Kollegin als Patientin, sie ist Kinderärztin. Sie hat schon lange einen Typ-I-Diabetes. Dazu muss man wissen, dass bei Diabetikern die Wundheilung normalerweise schlechter ist als bei gesunden Menschen. Die Kinderärztin hatte ein Kind bekommen und den Säugling gestillt. Leider hatte sie eine massiv vereiterte Brust bekommen. Wir mussten die Eiterhöhle in der Brust eröffnen, den Eiter entleeren und spülen. Der Schnitt war 5cm lang, es kamen 100ml Eiter heraus, die Wundhöhle war riesengroß. Ich gab ihr in dieser Situation den Rat abzustillen, was sie aber nicht wollte. Daraufhin riet ich ihr, die Wunde täglich auszuduschen und medizinischen Honig in die Wunde zu geben. Ich sah sie anfangs täglich und die Heilung ging schnell voran. Nach Monaten kam so noch einmal, ich sah mir das Behandlungsergebnis an und war sehr überrascht. Die Wunde war ohne jede Narbe verheilt. Das ist für diese Konstellation – große, eitrige Wunde, Diabetes und Stillen – absolut ungewöhnlich.

 

Super! Setzen Sie Honig auch zur Vorbeugung von Strahlenschäden ein?

Prof. Münstedt: Strahlentherapie ist nicht mein Fachgebiet. Wenn ich von Patientinnen darauf angesprochen werde, dann empfehle ich Honig zur Hautbehandlung. Ansonsten ist es Sache des Strahlentherapeuten, er muss seine Therapie verantworten. Hautprobleme nach Bestrahlungen sind ja sehr ähnlich wie Brandwunden. Und dazu gibt es wirklich viele positive Studienergebnisse. Das gilt übrigens auch für Mucositis, für entzündete Mundschleimhaut, die durch eine Chemotherapie entstanden ist. Betroffenen Patientinnen rate ich gerne, wiederholt am Tag etwas Honig in den Mund zu nehmen. Als ich im Rahmen einer Chefarzt-Visite eine Behandlung mit Honig bei Mukositis vorgeschlagen habe, war die Skepsis bei den Schwestern groß. Man kannte mich noch nicht so lange und wusste, dass ich Imker bin. Da hatte man wohl erst den Verdacht, dass ich mir bei der Patientin Geld mit dem Verkauf von meinem Honig verdienen wollte. Das war selbstverständlich nie meine Intention. Die Patientin hat anschließend allen Leidensgenossinnen auch Honig empfohlen

 

Trotz dieser Erfolge bezeichnen Sie sich aber nicht als Anhänger der Apitherapie…

Prof. Münstedt: Bienenprodukte sind keine Allheilmittel, mit denen man, wie viele Apitherapeuten behaupten, ohne Operation oder Chemotherapie Krebs heilen kann. Auch auf Nachfrage hat mir bislang kein Apitherapeut Kontakt zu einem durch Apitherapie allein geheilten Krebspatienten ermöglicht. Ich bin aber begeistert, wenn man mit sanften Methoden etwas Positives für die Patientinnen erreichen kann. Und ich finde wirklich, dass es einige Situationen gibt, wo man es als Arzt gut rechtfertigen kann, Honig einzusetzen. Weil es medizinisch richtig und weil es kosteneffektiv ist. Manchmal kann man mit Honig den richtigen Impuls geben und den Ball wieder in die richtige Richtung lenken. Dann setzen die Selbstheilungskräfte wieder ein und alles wird gut, verstehen Sie?

 

Ja, das klingt gut. Viel Erfolg dabei!

 

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  1. Pollen und Honig gegen Hitzewallungen -

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