Jeder Imker könnte die Gefriertrocknung nutzen

Foto: Chemiker Dr. Thomas Gloger, Gründer des Apitherapiezentrum Ruhr

Gemeinsam mit seiner Frau hat der Chemiker Dr. Thomas Gloger das Apitherapiezentrum Ruhr gegründet. Er ist geprüfter Bienensachverständiger und organisiert den Apitherapie-Tag Rhein Ruhr. Zu seinem Angebot an Imker gehört ein Gefriertrocknungsservice. Darüber spricht er im Interview mit Ruth Auschra.

Herr Dr. Gloger, Gefriertrocknung ist eine aufwändige Sache, oder? Trotzdem bieten Sie Imkern die Trocknung der Bienenpollen an. Warum?

Dr. Gloger: Die Apitherapie lebt davon, dass die Bienenprodukte in guter Qualität vorliegen. Ich erzähle Ihnen mal zwei Beispiele, wie es nicht sein sollte. Bei manchen Produzenten werden die Pollen aus dem Bienenstock entnommen und dann bei 70°C getrocknet. Diese Temperatur ist gut für die Produktstabilität, weil man so Schimmelpilze schnell abtöten kann. Aber sie ist schlecht für die enthaltenen Vitamine und Enzyme in den Bienenpollen. Eiweiß hält diese Temperaturen nicht aus und geht kaputt. Das merkt man an der harten Konsistenz des Produktes.

Moment, das geht mir zu schnell. In Bienenpollen steckt also Eiweiß…

Dr. Gloger: Genau, verschiedene Arten von Eiweiß sind in Bienenpollen enthalten. Proteine und Aminosäuren, Enzyme und Co-enzyme – das sind alles Eiweiße, die im Bienenpollen stecken. Eine zu starke Erhitzung hat zur Folge, dass das Eiweiß zerstört wird. Es denaturiert und verliert damit seine biologische Aktivität. Die meisten Enzyme verlieren nach einer Erhitzung ihre Funktion. Man bemerkt eine zu starke Erhitzung übrigens, wenn man den Pollen in den Mund nimmt. Er fühlt sich nicht weich an wie frischer Pollen und schmilzt auch nicht mehr auf der Zunge, sondern er ist hart und trocken.

Ok, verstanden.

Dr. Gloger: Gut, das war das erste Beispiel, wie man mit Bienenpollen nicht umgehen sollte. Das zweite Beispiel ist bei uns häufiger. Der Imker holt den Bienenpollen ein- oder sogar zweimal täglich aus dem Stock, friert sie ein und trocknet sie später mit einem üblichen Obst-Dörrtrockner. Diese Geräte trocknen die Pollen manchmal sehr langsam, wenn sie zum Beispiel schlecht eingestellt oder recht voll sind. Die Schimmelpilze können sich währenddessen weiter vermehren und bilden zum Beispiel Aflatoxine.

Und Ihre Lösung ist die Gefriertrocknung?

Dr. Gloger: Ja, genau. Die Methode ist leider teuer, aber sie hat große Vorteile. Wir setzen sie schon heute bei der Produktion von Apilarnil ein. Beim Gefriertrocknen entzieht man sehr schonend den Pollen das enthaltene Wasser und damit den Schimmelpilzen die Lebensgrundlage. Es ist die ideale Methode, um die schnell verderblichen Pollen haltbar zu machen, ohne dass Nährstoffe verloren gehen. Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe bleiben erhalten. Für mich gehört es einfach zur guten Imkerpraxis, möglichst hochwertige Produkte herzustellen.

Wie kommt Ihr Angebot bei den Imkern an?

Dr. Gloger: Die halten sich noch sehr zurück. Dabei wäre es eigentlich einfach: Man sammelt tiefgefrorenen Bienenpollen, bis man genug für die Gefriertrocknung hat. Dann organisiert man einen Expressversand, am besten natürlich nicht gerade bei der höchsten Sommerhitze. Die tiefgekühlten Pollen schweißt man ein und legt sie zusammen mit ein paar Kühl-Akkus in einen Pappkarton.

Gibt es eigentlich Imker, die eigene Gefriertrocknungsanlagen besitzen?

Dr. Gloger: In Deutschland wohl nicht, aber in Österreich kenne ich einen Imker, der sich für rund 40.000 Euro eine Gefriertrocknungsanlage gekauft hat. Auch in Brasilien gibt es solche Anlagen. Von da aus werden sehr viele gefriergetrocknete Pollen nach Japan verkauft. Bei uns ist das eher eine Art Ameisenhandel. Noch! Ich denke, die Nachfrage steigt und damit auch der Qualitätsanspruch.

Gerade geschwächten Menschen wird ja immer wieder empfohlen, dass sie Bienenpollen zu sich nehmen sollen. Wenn die dann von der Qualität her nicht einwandfrei sind…

Dr. Gloger: Ja, wünschenswert für Apitherapeuten ist das sicher. Die Imker müssten sich klar machen, dass Pollen nicht nur für Menschen ein begehrtes Superfood ist. Die Keime sehen das leider genauso.

Sie würden nur gefriergetrocknete Pollen zu sich nehmen, oder?

Dr. Gloger: Oder frisch geerntete. Dummerweise sieht man den Pollen nicht an, ob sie Schimmelpilzsporen enthalten. Wenn es muffig riecht und klumpt, dann kann man sicher davon ausgehen. Aber auch wenn die Bienenpollen gut aussehen, weiß man nicht, wie viele Aflatoxine oder andere Schimmelpilze drin sind. Eine gute Alternative ist für mich das Bienenbrot, fermentierte Pollen mit Honig. Ich nenne es das Sauerkraut der Bienen!

Foto: Gloger

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